Braugasse 1 – Adresse für Neugier

Das Gründungshaus der Domowina an der Braugasse 1 ist in guten Händen – das zeigt einmal mehr die aktuelle Foto-Ausstellung im Bürgerzentrum inmitten der Altstadt von Hoyerswerda. Ihr Motto „Neugier“ passt zur Kufa, Kulturfabrik. In diesem sogenannten soziokulturellen Zentrum produzieren Menschen frei von ökonomischen Zwängen neue Kultur, und da passt die gemeinsame Präsentation von Frank Höhler aus Dresden, Georg Krause aus Berlin, Thomas Kläber aus Cottbus und Jürgen Matschie (Maćij) aus Bautzen perfekt hinein. Denn die vier Herren eint beim Fotografieren die Distanz zur kommerziellen Orientierung, sie haben eine gemeinsame Botschaft: NEUGIER.

Der Sorbischen Zeitung (Serbske Nowiny) war die Ausstellungseröffnung eine große Titelgeschichte wert. Das liegt nicht nur am Sorben Jürgen Matschie, dem die Beschäftigung mit „gebrochenen Landschaften“ geradezu Lebensaufgabe ist. Sondern am Zusammenspiel dieses Fotografen-Quartetts und seines abwechslungsreichen wie beeindruckenden Umgangs mit den existenziellen Themen Natur, Industrie und gesellschaftliche Brüche. Ein Grund mehr, in diesem dank Dorit Baumeister architektonisch äußerlich ansprechend schönen und innerlich atemberaubend faszinierenden Gebäude betrachtend zu lustwandeln. Und sich in jeder Hinsicht eine Auszeit zu gönnen.

Das Haus selbst verkörpert geschichtlich vielfältige Brüche, in denen sich die Zeitläufte von Hoyerswerda widerspiegeln. Es steht zugleich für die Souveränität kreativer Geister, die durch Generationen hindurch bestrebt waren, aus den widersprüchlichen Fragmenten der jeweiligen Zeit etwas Passendes, Plausibles zu erschaffen. Im Grunde war die NEUGIER hier schon immer Programm.

Übrigens auch bei der Gründung des sorbischen Dachverbandes Domowina 1912: Aus einem Sammelsurium höchst unterschiedlicher sorbischer Vereine aus der ganzen Lausitz in einem basisdemokratischen Impuls EINE – slawische! – Organisation zu schaffen, war in der autoritätshörigen Kaiserzeit ein unerhört kühnes Projekt. Kaiser, Kanzler und herrschende Politik setzten auf Germanisierung von oben, sprachliche und kulturelle Gleichschaltung. Dagegen stand das Geschehen in der Braugasse 1 in Hoyerswerda für den Aufbruch von unten in selbstbestimmte regionale Vielfalt.

Heute ist Konsens, dass Sachsen nicht Bayern ist und die Gesellschaft in der Hoyerswerdaer Region eine andere als in und um Bautzen. Und das ist gut so. Wir leben heute im Europa der Regionen, die Lausitz ist nicht mehr durch Schlagbäume zerschnitten. Es lohnt sich also für uns, neugierig zu bleiben. Diese Ausstellung ist eine Einladung zu kreativer Neugier und Lust auf das Leben von morgen. Natürlich muss nicht alles besser werden, schlechter aber auch nicht. Wenn wir diesen inspirierenden Ort mitten in Hoyerswerda gemeinsam hegen und pflegen.     

https://juergen-matschie.de/chronologie.php

www.braugasse.kufa-hoyerswerda.de/geschichten/baumeister/baumeister.html

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