Revitalisierung des Sorbischen/Wendischen in Senftenberg und Umgebung gefeiert – Nachbarn aus Hoyerswerda gratulieren   

Grund zum Feiern war Samstagabend beim wendischen Abend im alten Gasthof von Missen (Pšyne) genug: Für Günter Paulisch von der Domowina-Ortsgruppe Senftenberg / Zły Komorow, die zum Regionalverband Dolna Łužyca / Niederlausitz gehört, ging es um „anderthalb Jahrzehnte aktives sorbisches Leben in Senftenberg und Umgebung“. Der von der Gruppe „Złykomorojska pśěza” (Senftenberger Spinte) mit niedersorbischen Liedern musikalisch umrahmte Abend zeige, dass „Revitalisierung des Sorbischen möglich ist und Grenzen überwindet“. Die 2018 gegründete Gruppe tritt in Brandenburg und Sachsen auf.

Seit 2017 gehört Senftenberg offiziell zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet. Beim Fest in Missen war die Stadt durch Falk Peschel, Amtsleiter für Bildung, Soziales und Kultur, vertreten. Das kulinarische Angebot war klassisch: sorbische Hochzeitssuppe, Rindfleisch mit Meerrettichsoße. Paulisch lobte die Novellierung des brandenburgischen Sorben/Wenden-Gesetzes, das der Region einen Schub gegeben habe. Die Säulen der Revitalisierung des Sorbischen/Wendischen seien „Politik, Kirche und das, was wir selbst machen“. Das geht zuweilen ineinander über, so sprang die erste hauptamtliche Sorben/Wenden-Beauftragte des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, Hanka Rjelka, beim wendischen Abend auf Zuruf mal eben als Sängerin bei der „Senftenberger Spinte” mit ein.

Marcel Brauman, Ko-Vorsitzender des Domowina-Regionalverbandes Hoyerswerda (Župa „Handrij Zejler” Wojerecy-Wórjejce), überbrachte alle guten Wünsche des Domowina-Vorsitzenden Dawid Statnik und fügte im Namen der benachbarten sorbischen Community der Region Hoyerswerda hinzu: „Ihr seid nicht am Rande des sorbischen Siedlungsgebietes, sondern mit uns zusammen in der Mitte, denn das sorbisch/wendisch geprägte Territorium reicht von den Toren Berlins bis zum Lausitzer Bergland. Gerade hier im Seenland spüren wir, dass diese Landesgrenze für uns keine Rolle spielt.”

Brauman lud die „Złykomorojska pśěza” nach Hoyerswerda ein und freut sich, dass grenzübergreifend die Sprach-Revitalisierung eine zentrale Rolle spielt: „Es muss nicht jeder Sorbisch lernen und sprechen können, es sollte aber in zukünftigen Lausitzer Generationen jeder zumindest ein bisschen Sorbisch/Wendisch verstehen. Denn ganz ohne die Sprache verliert sich auch im Laufe der Zeit die Kultur.“ Günter Paulisch selbst sei ein schönes Beispiel für Menschen, die sich das Sorbische mit großem Eifer angeeignet haben. Paulisch wiederum berichtete über seine Kommunikationserfahrungen in der Hoyerswerdaer Region, wo man an den dörflichen Dialekten den Übergang vom Ober- zum Niedersorbischen spüre.     

(Die Begriffe „sorbisch/wendisch“ werden in Brandenburg gleichbedeutend verwendet.)

Bild: Günter Paulisch / Foto: Marcel Brauman, Domowina

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