Sorbisches Institut kommt in die Kufa: Spannende Themen 10.11.

Am 10. November 2021, von 14:00 bis 17:00 Uhr stellt sich das Sorbische Institut/Serbski institut vor, diesmal in der Kulturfabrik in Hoyerswerda.

Das Sorbische Institut gibt einen Einblick in aktuelle Forschungsvorhaben und informiert über Ergebnisse seiner Tätigkeit. In den Vorträgen geht es um die Sprachlandschaft der Schleifer Region, die Lausitzer Tagebaufolgelandschaft als mögliches UNESCO Welterbe, die Entwicklung einer Vorlesefunktion für die niedersorbische Schriftsprache und neue Digitalisate des sorbischen Schrifttums.

Die Vorträge werden in niedersorbischer, obersorbischer und deutscher Sprache gehalten, eine Simultan-Übersetzung ins Deutsche wird vor Ort angeboten.

Für die Veranstaltung gilt die 3G-Regel (aktueller Stand). Ein Livestream wird angeboten.

Das Sorbische Institut ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit Sitz in Bautzen/Budyšin und einer Zweigstelle in Cottbus/Chóśebuz. Es widmet sich der interdisziplinären Erforschung von Sprache, Geschichte und Kultur der Lausitzer Sorben/Wenden sowie der vergleichenden Erforschung kleiner Sprachen und Kulturen in Europa. Zum Institut gehören die Sorbische Zentralbibliothek und das Sorbische Kulturarchiv als einzige öffentliche Spezialsammlungen für sorbisches und sorabistisches Bibliotheks- und Archivgut. www.serbski-institut.de (Mitteilung des Sorbischen Instituts)

Wir wollen: Alle sorbischen Institutionen künftig mit Niederlassung in Hoyerswerda!

In Hoyerswerda hat sich am Dienstagabend (12.10.) der neugewählte Vorstand des Domowina-Regionalverbandes „Handrij Zejler” konstituiert, der das Territorium des Alt-Landkreises Hoyerswerda umfasst. Im aktuellen „Jahr der Domowina-Regionalverbände“ anlässlich deren Gründung vor 100 Jahren in Hoyerswerda, wo bereits der sorbische Dachverband selbst im Jahr 1912 ins Leben gerufen wurde, wolle man zunächst den Erfahrungsaustausch mit dem Regionalverband Niederlausitz in Cottbus/Chóśebuz pflegen. So ist eine gemeinsame Sitzung beider Regionalvorstände geplant.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht zurzeit der sorbische Anteil am Strukturwandel, über den aktuellen Stand der Gespräche mit der Stadt Hoyerswerda berichteten die beiden Regionalvorsitzenden Gabriela Linack und Marcel Brauman. Der Regionalvorstand erwartet von den sorbischen Institutionen mit Sitz in Bautzen/Budyšin, dass sie künftig auch eine Niederlassung in der Hoyerswerdaer Region unterhalten, die das geographische Zentrum der sorbischen Lausitz bildet. Es wird darauf verwiesen, dass 1972 das sorbische Museum von Hoyerswerda abgezogen wurde und seither die Region trotz ihrer zentralen Lage in punkto sorbische Institutionen verwaist ist.

Auf der Haupt- und Wahlversammlung des Regionalverbandes unlängst im Domowina-Gründungshaus, der heutigen „Kulturfabrik“, hatte das neue Vorsitzenden Duo mit Blick auf die Krabatmühle Schwarzkollm/Krabatowy młyn Čorny Chołmc und die historische Verwurzelung des überregional bedeutsamen sorbischen Krabat-Mythos gesagt: „Wenn es um Krabat geht, dann sind wir das Kerngebiet der sorbischen Lausitz.” Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) hatte erst dieser Tage im Gespräch mit der Domowina auf das Angebot günstiger Räumlichkeiten in der Stadt für neue sorbische Arbeitsplätze verwiesen.

Der Domowina-Regionalverband Hoyerswerda hat rund 700 Mitglieder. Im Domowina-Haus in Hoyerswerda arbeiten die Regionalsprecherin fürs Territorium des Regionalverbandes, der Domowina-Pressesprecher, das Servicebüro für die sorbische Sprache in kommunalen Angelegenheiten mit zwei Beschäftigten und eine Projektmanagerin, die zwischen Hoyerswerda und Schleife pendelt und für die mittlere Lausitz zuständig ist.  

Brigitte Räßler und Veronika Boswank ausgezeichnet

Mit dem Domowina-Preis zeichnet der Dachverband „ehrenamtliches Wirken von gesamtsorbischer Bedeutung“ und „außerordentliche Leistungen im Sinne des Erhalts und der Förderung des Sorbischen“ aus.

Die frühere Lehrerin Brigitte Räßler aus Nardt widmet sich bereits Jahrzehnte lang mit vollem Elan ehrenamtlich der Vermittlung des Sorbischen. Mitglieder ihrer Gruppe sind Träger der Sprache in der gesamten Hoyerswerdaer Region und im sorbischen gesellschaftlichen Leben fest verankert.

Něhdyša wučerka Brgitta Räßlerowa z Narća so hižo lětdźesatki dołho z połnej paru čestnohamtsce sporědkowanju serbšćiny wěnuje. Čłonojo jeje skupiny su nošerjo našeje rěče w cyłej Wojerowskej kónčinje a w serbskim towaršnostnym žiwjenju kruće zakótwjeni.

Mit dem Ehrenabzeichen zeichnet der Dachverband „besondere Leistungen bei der Verwirklichung des Programmes der Domowina“ aus.

Veronika Boswank aus Seidewinkel (auf dem Bild 2.v.l.) bewirkt auf vielfältige Weise Mehrung des Sorbischen, insbesondere der Sprache, auf dem Territorium des Domowina-Regionalverbandes Hoyerswerda, u.a. als Vizevorsitzende und Moderatorin des Chores Seidewinkel, im sorbischen Gesprächskreis in Bergen, wo sie den alten Seidewinkler Dialekt beisteuert, und im sorbischen Kreis der Johanneskirchengemeinde.

Weronika Boswankowa ze Židźinoho na mnohe wašnje přisporjenje serbskosće a našeje rěče we Wojerowskej župje zeskutkownja, mjez druhim jako městopředsydka a moderatorka chóra Židźinoho, w „serbskej bjesadźe“ na Horach, kotrejž přinošuje ze starym Židźinskim dialektom, a skutkuje w serbskim dźěłowym kruhu Janskeje wosady.

„Wir als Domowina-Regionalverband Hoyerswerda gratulieren beiden Preisträgerinnen herzlich und freuen uns auf das weitere gemeinsame sorbische Leben in der Region!“

„My jako župa Wojerecy wuznamjenjenymaj wutrobnje gratulujemy a so na dalše zhromadne serbske žiwjenje w regionje wjeselimy.“

Gabriela Linack und Marcel Brauman, Vorsitzende der „Župa Handrij Zejler Wojerecy“ / Domowina-Regionalverband „Handrij Zejler“ Wojerecy

Fotos (von der Auszeichnungsveranstaltung in Bautzen/Budyšin): Jurij Helgest“

Hoyerswerda bezieht sorbische Sprache und Kultur in Strukturwandel-Projekte mit ein

Der Oberbürgermeister von Hoyerswerda / Wojerecy, Torsten Ruban-Zeh (SPD), hat Vertreter der Domowina zum Gespräch darüber eingeladen, wie Belange des sorbischen Volkes in Strukturwandel-Projekte mit einbezogen werden können. An dem Gedankenaustausch am Mittwochnachmittag im Rathaus nahmen Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik, der Referent des sorbischen Dachverbandes für wirtschaftliche und infrastrukturelle Angelegenheiten, Peter Bresan, und Domowina-Regionalsprecherin Sonja Rehor teil.

OB Ruban-Zeh sagte der Domowina zu, bei allen Vorhaben konsequente deutsch-sorbische Zweisprachigkeit zu praktizieren. Zugleich signalisierte Ruban-Zeh Interesse der Stadt, im Zuge des Umbaus der Lausitzhalle mehr sorbische Angebote ins Kulturprogramm aufzunehmen.

In der Stadt stünden außerdem kurz- und mittelfristig günstige und zentrale Raumkapazitäten für neue sorbische Arbeitsplätze zur Verfügung. Einig waren sich beide Seiten darin, dass Hoyerswerda künftig eine größere Rolle für sorbische Institutionen und das kulturelle sorbische Leben in der Lausitz spielen soll. Im Ergebnis des Gesprächs sollen weitere konkrete Projekte ausgelotet werden.

Bild: Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh im Gespräch mit Dawid Statnik, Peter Bresan und Sonja Rehor von der Domowina (v.l.). Foto: Domowina/Marcel Brauman

Zweiter sorbischer Polizist in Hoyerswerda

Neben dem sorbischen Bürgerpolizisten André Kober, mit dem wir uns Anfang letzten Jahres im Domowina-Regionalvorstand unterhalten hatten, gibt es mit Polizeioberkommissar Dominik Dyrlich einen weiteren sorbischsprechenden Beamten im Polizeirevier Hoyerswerda (auf dem Foto links neben seinem sorbischen Kollegen Maximilian Funke aus Bautzen, heute bei der Vorstellung einer Werbekampagne des Sächsischen Innenministeriums für mehr sorbische Polizisten). Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik nahm den Fortschritt launig: Früher habe es unter Sorben den Tipp gegeben: Wenn dich die Polizei anspricht und du gerade nicht weißt, was du antworten sollst, dann sag erstmal: Ich möchte sorbisch sprechen. Damit gewinnst du Zeit zum Überlegen, bis ein Polizist ausfindig gemacht werden kann, der der sorbischen Sprache mächtig ist. Inzwischen kann es dir aber passieren, dass der Polizeibeamte sofort antwortet: „Prošu powědaj…“, bitte erzähle… Beide sorbischen Polizisten standen natürlich den sorbischen Medien in ihrer Muttersprache Rede und Antwort. (Foto: Domowina/Marcel Braumann)

Bewerbung um Doppelspitze (auf Hauptversammlung sorbisch mit Simultanübersetzung)

Gabi: Naša regionalna rěčnica Sonja Hrjehorjowa je nas na dźensnišu hłownu a wólbnu zhromadźiznu našeje župy z tutej sadu přeprosyła: „Zhromadnje chcemy naše serbske korjenje w župje skrućić, chcemy rostlince přiliwać ze zhromadnymi aktiwitami, zo by Serbstwo w našim regionje zaso bóle rostło.” Tomu chcemoj tež mój z Marcelom rady dale přinošować. Tuchwilneje wosebiteje situacije dla pak smój so rozsudźiłoj, zo so jako dwójnikaj wo županstwo požadamoj.

Marcel: Što je to wosebite na narodnej runinje? Z Lětom župow je Domowina njedawno dobu zahajiła, w kotrejž ma so zastupnistwo serbskeho ludu regionalizować. Swjedźeń k stoćinam załoženja župow we Wojerowskej radnicy běše sylny signal za cyłu Łužicu. Jako geografisce centralna župa  mamy my w tutym procesu wosebitu zamołwitosć. Chcemy sobu pomhać, mnohotnosć a wšelakorosć Serbstwa do žiweho cyłka wjazać – wot Łužiskich hór hač k wrotam do Berlina.

Gabi: Naša župa drje słuša do Sakskeje. Ale ma hižo dołho krute styki do Delnjeje Łužicy –  a to nic jenož jako dźěl něhdyšeho wobwoda Choćebuz. Pola nas so nichtó njepraša, hač sy ewangelski, katolski abo sekularny Serb. Pola nas je tež wšojedne, hač hornjoserbsce abo dolnoserbski powědaš. Abo hač so za serbskosć horiš, hačrunjež ze serbšćinu wotrostł njejsy. A tak twarimy MY w Serbach a w cyłym regionje mosty. Přetož Łužica je jónkrótna serbskosće dla.

Marcel: Wojerowski region je domizna Krabata. Tu je historiski Krabat žiwy był. Tu je jadro mytosa Krabata. Wuspěšne Krabatowe wiki njedawno we Wojerecach su pokazali: Hdyž wo Krabata dźe, smy my jadrowa kónčina serbskeje Łužicy. A tohodla so jara wjeselimy, zo so w Čornym Chołmcu a druhdźe zaso zarjadowanja wotměwaja, kotrež wopytowarjow z Hornjeje a Delnjeje Łužicy přiwabjeja. Jako župa chcemy – hromadźe z wjele druhimi akterami – sylna lobby za serbsku identitu našeho regiona być.

Gabi: Tuchwilu sym rěčnica župneho předsydstwa. Wěm, zo su sej Marcel a druzy wjac přeli. Mjenujcy, zo bych za županku kandidowała. Ale sym přeco prajiła: Sama to činić njebudu. Moje korjenje su w serbskej bazy na wsy a w měsće. A wězo w našej dobrej zhromadnosći w župnym předsydstwje. Sama na čole stać – to za mnje to prašenja njepřińdźe.

Marcel: Kónc 2019 sym swoje zastojnstwo jako župan złožić dyrbjał, dokelž sym nowy nadawk jako referent za zjawnostne dźěło Domowiny přewzał. Mi bě jasne, zo njemóžu sam župan być. Mjeztym pak je w župnym předsydstwje ideja rostła, zo raz wuspytamy, štož je druhdy jako „Doppelspitze“ z wašnjom. Sonja je to rjenje serbsce „župan-dwójnikaj” mjenowała.

Gabi: Mój dwajo z Marcelom hromadźe chcemoj Wam wšěm swěru poboku być. Wšěm, kotřiž nowe rěčne rumy tworja. Wšitkim, kiž naše nałožki pěstuja a bohate herbstwo našich narodnych drastow hladaja. Wšěm, wosebje na wsach, kotřiž serbske tradicije přichodnym generacijam dale dawaja. Wšěm, kiž serbsce spěwaja, rejuja a bjesaduja. Kiž w pěstowarnjach, šulach a w towarstwach dorost kubłaja. A wšěm, kotřiž so jako dorosćeni prócuja, našu rjanu rěč nawuknyć, kaž tež wšitkim, kiž jich wuwučuja.

Marcel: A w běhu přichodnych třoch lět chcemoj zmóžnić, zo přeńdźe županstwo do młodych rukow. Chcemoj so tež wo to starać, zo rubamy młodym ludźom puć do zamołwitych gremijow župy a třěšneho zwjazka. Wažne je, zo wostawaja tute gremije rěčne rumy, potajkim zo so w nich serbsce rěči.  Tohodla su aktiwity kaž na přikład w Delnim Wujězdźe ze stron našeho noweho towarstwa „Zahrodka“ symješka nadźije na nowe rěčne swětłownje. W tutym zwisku budźemoj so sobu wo to starać, zo so syć Domowinskich skupin zaso wožiwi, kiž su towarstwam partner.   

Gabi a Marcel: Mój – Gabi Linakowa a Marcel Brauman – prosymoj wo Wašu dowěru!

UND HIER DER TEXT DER SIMULTANÜBERSETZUNG:

Gabi: Unsere Regionalsprecherin Sonja Rehor hat uns zur heutigen Haupt- und Wahlversammlung mit dem Satz eingeladen: „Lasst uns gemeinsan unsere sorbischen Wurzeln im Regionalverband stärken, das Pflänzchen gießen mit gemeinsamen Aktivitäten, damit das Sorbische in der Region wieder stärker wächst.” Dazu wollen wir, Marcel und ich, gerne mit beitragen. Aufgrund der jetzigen besonderen Situation haben wir uns aber entschieden, im „Doppelpack” für den Vorsitz unseres Regionalverbandes zu kandidieren.

Marcel: Was ist das Besondere auf sorbischer Ebene? Mit dem Jahr der Regionalverbände hat die Domowina vor kurzem die Epoche der Regionalsierung der Vertretung des sorbischen Volkes eingeleitet. Das Fest zum 100. Jahrestag der Gründung der Regionalverbände im Rathaus von Hoyerswerda war ein starkes Signal für die Lausitz. Als geografisch zentraler Regionalverband tragen wir in diesem Prozess eine besondere Verantwortung. Wir möchten mit helfen, die Vielfalt des Sorbischen in ein lebendiges Ganzes zu bündeln – vom Lausitzer Bergland bis zu den Toren Berlins.

Gabi: Unser Regionalverband gehört zwar zu Sachsen, aber schon lange pflegt er feste Beziehungen in die Niederlausitz – nicht nur als Teil des ehemaligen Bezirks Cottbus. Bei uns fragt keiner danach, ob du evangelisch, katholisch oder sekularer Sorbe bist. Hier spielt es keine Rolle, ob man Ober- oder Niedersorbisch spricht. Oder ob man sich für Sorbisches begeistert, aber nicht mit der Sprache aufgewachsen ist. Und so sind wir Brückenbauer – bei den Sorben und in der ganzen Region. Denn die Lausitz ist einzigartig durch das Sorbische.

Marcel: Hoyerswerda – das ist die Krabatregion. Hier lebte der historische Krabat. Und hier lebt der Krabat-Mythos. Der gelungene Krabat-Markt, der kürzlich in Hoyerswerda stattfand, hat gezeigt: Wenn es um Krabat geht, dann sind wir das Kerngebiet der sorbischen Lausitz. Deshalb freuen wir uns, dass in Schwarzkollm und anderswo wieder Veranstaltungen stattfinden, die Besucher aus Ober- und Niederlausitz anlocken. Als Regionalverband wollen wir – gemeinsam mit vielen anderen Akteuren – eine starke Lobby sein für die sorbische Identität unserer Region.

Gabi: Ich bin jetzt die Sprecherin des Regionalvorstands. Ich weiß, dass sich Marcel und andere von mir mehr gewünscht hätten, nämlich, dass ich als Vorsitzende kandidiere. Aber ich habe immer gesagt: Allein mache ich das nicht. Ich habe meine Wurzeln in der sorbischen Basis im Dorf und in der Stadt. Und natürlich in unserer guten Gemeinschaft im Regionalvorstand. Allein an der Spitze zu stehen kommt für mich nicht in Frage.

Marcel: Ich musste Ende 2019 mein Amt als Regionalverbandsvorsitzender aufgeben, weil ich Pressereferent der Domowina wurde. Mir war klar, dass ich nicht zugleich Vorsitzender des Regionalverbands sein kann, zumindest nicht alleine. Und so ist im Regionalvorstand die Idee von der Doppelspitze entstanden. Sonja hat das im Sorbischen schön als Zwillingsspitze bezeichnet.

Gabi: Wir beide wollen euch allen zur Seite stehen. Allen, die neue Sprachräume für das Sorbische schaffen. Die unsere Bräuche pflegen und das reiche Erbe unserer Trachten hüten. Allen, vor allem in den Dörfern, die die sorbsichen Traditionen den künftigen Generationen weitergeben. Allen, die sorbsich singen, tanzen, sprechen. Die in den Kitas und Schulen und in den Vereinen den Nachwuchs ausbilden. Sowie allen, die sich als Erwachsene um die Aneignung unserer Sprache bemühen wie auch ihren Lehrern.

Marcel: Und in den kommenden drei Jahren wollen wir mit dafür sorgen, dass der Vorsitz des Regionalvorstands in junge Hände kommt. Und jungen Menschen den Weg in die Gremien des Regionalverbandes und des Dachverbandes ebnen. Wichtig ist, dass diese Gremien Sprachräume bleiben, also dass darin weiterhin sorbisch gesprochen werden kann. Deshalb sind Aktivitäten wie zum Beispiel in Uhyst/Spree von Seiten unseres neuen Mitgliedvereins  „Zahrodka” Zeichen der Hoffnung auf neue sprachliche Leuchttürme. In diesem Zusammenhang werden wir usn mit darum kümmern, dass das Netz der Domowina-Ortsgruppen wieder belebt wird, die als Partner den Vereinen zur Seite stehen.

Gabi a Marcel: Wir beide – Gabi Linakowa und Marcel Brauman – bitten euch um euer Vertrauen!

Regionalverband Hoyerswerda will mit Doppelspitze und Selbstbewusstsein Brückenbauer für ganze sorbische Lausitz sein   

Die erste Doppelspitze in der Geschichte der Domowina wählten am Freitagabend im Saal der „Kulturfabrik“ Hoyerswerda die 28 Delegierten der Hauptversammlung des Regionalverbandes („župa”) „Handrij Zejler”: In geheimer Abstimmung votierten sie einstimmig für das Vorsitzenden-Duo Gabriela Linack und Marcel Braumann. Linack ist ehrenamtliche Sorbenbeauftragte der Stadt Hoyerswerda, Braumann Sprecher der Domowina. Zur stellvertretenden Vorsitzenden wurde die Lehrerin Lubina Dutschmann gewählt, die bereits dem Regionalvorstand angehörte. Als weitere Vorstandsmitglieder wurden Gabriela Korch, Mila Liebsch und Sonja Rehor im Amt bestätigt, neu hinzu kamen Veronika Boswank, Sigrun Nasdala und Werner Srocka.

Das neue Spitzen-Duo unterstrich das in den letzten Jahren gewachsene Selbstbewusstsein des Hoyerswerdaer Regionalverbandes mit seinen 700 Mitgliedern: „Wenn es um Krabat geht, dann sind wir das Kerngebiet der sorbischen Lausitz”, man wolle „eine starke Lobby sein für die sorbische Identität der Region“ und darüber hinaus werde man „als geografisch zentraler Domowina-Regionalverband” Brücken bauen und „mit helfen, die Vielfalt des Sorbischen in ein lebendiges Ganzes zu bündeln: vom Lausitzer Bergland bis zu den Toren Berlins.”

Linack und Braumann bekannten sich zum weltanschaulich ungebundenen Charakter dieser „Župa” in der Mitte der Lausitz: „Bei uns fragt keiner danach, ob du evangelisch, katholisch oder sekularer Sorbe bist. Hier spielt es keine Rolle, ob man Ober- oder Niedersorbisch spricht. Oder sich für Sorbisches begeistert, aber nicht mit der Sprache aufgewachsen ist.”  Und so sind wir die Brückenbauer – bei den Sorben und in der ganzen Region.”

Braumann hatte das Amt des „Župan” nach seiner Wahl vor drei Jahren bis Ende 2019 ausgeübt, als er sein neues Amt als Pressesprecher und persönlicher Referent des Vorsitzenden der Domowina antrat. Damals wurde Gabriela Linack Sprecherin des Regionalvorstands, in dem Braumann weiter mitarbeitete. Als neue Doppelspitze wollen sie nun den Hoyerswerdaer Regionalverband eine Wahlperiode bis 2024 leiten. Zur Wahl gratulierte Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik persönlich vor Ort. Die Hauptversammlung, die Braumann in sorbischer Sprache moderierte, wurde von der Leiterin des WITAJ-Sprachzentrums Dr. Beate Brězan simultan gedolmetscht.

Lubina Dutschmann und Sonja Rehor, die auch hauptamtliche Regionalsprecherin der Domowina auf dem Territoriums des Regionalverbandes ist, der den Altkreis Hoyerswerda umfasst, trugen den umfangreichen Rechenschaftsbericht des Vorstands vor. Darin wird auch das Ziel unterstrichen, dass nach Installierung des „Servicebüros für die sorbische Sprache in kommunalen Angelegenheiten“ im Bereich des sächsischen sorbischen Siedlungsgebietes weitere sorbische Institutionen in der Region Hoyerswerda anzusiedeln sind.

Ein besonderer Höhepunkt war die feierliche Bestätigung der Aufnahme des Vereins „Zahrodka 1921 e.V.” („Gärtchen“) in den Regionalverband. Der Verein aus Uhyst/Spree / Delni Wujězd wurde von seinem Vorsitzenden Frank Knobloch vorgestellt, der zugleich langjähriger Ortsvorsteher ist. Besonders am Herzen liegt „Zahrodka” die Wiederbelebung der sorbischen Sprache im Alltag, daher lief dort auf Vermittlung der Domowina-Regionalsprecherin bereits mitten im Pandemie-Lockdown ein Online-Kurs Sorbisch mithilfe von Mark Schneider, schon bevor er Dozent des WITAJ-Sprachzentrums für Sorbisch-Kurse für Erwachsene wurde.

Bild: Neugewählter Vorstand des Domowina-Regionalvorstandes Hoyerswerda mit der neuen Doppelspitze Gabriela Linack und Marcel Braumann (2.u.1.v.r.). Foto: Domowina/Dawid Statnik

Öffentliche Haupt- und Wahlversammlung der „ Župa“ im Domowina-Gründungshaus

Hłowna a wólbna zhromadźizna župy Handrij Zejler” Wojerecy pjatk, 17.9., w 18 hodź.

Haupt- und Wahlversammlung des Domowina-Regionalverbandes Hoyerswerda Freitag um 18 Uhr

Am Freitag, dem 17. September, um 18 Uhr findet die öffentliche Haupt- und Wahlversammlung / hłowna a wólbna zhromadźizna des Domowina-Regionalverbandes (župa) „Handrij Zejler” Hoyerswerda/Wojerecy statt. Ort:  Saal des Bürgerzentrums Hoyerswerda, Braugasse 1 (Kulturfabrik) / žurla Wobydlerskeho centruma we Wojerecach, Piwarska hasa 1 (Kulturna fabrika). Das ist das Haus, in dem 1912 der sorbische Dachverband Domowina gegründet wurde. Die Veranstaltung ist öffentlich und wird voraussichtlich ca. drei Stunden dauern (einschließlich Pause ca. 19.20-19.50 Uhr).

Im Mittelpunkt stehen der Bericht des Regionalvorstandes, Neuwahl des Vorstandes und Wahl eines Župan bzw. einer Županka (Regionalvorsitzende/r) und einer Stellvertreterin bzw. eines Stellvertreters. Damit sollen die Weichen für die Arbeit der kommenden Jahre gestellt werden. Zudem soll die Aufnahme des Vereins „Zahrodka 1921 e.V.” aus Uhyst/Delni Wujězd in den Domowina-Regionalverband bestätigt werden.

Es wird diesmal eine Simultanübersetzung ins Deutsche angeboten, damit die Repräsentanz der Mitgliederschaft der Domowina und ihrer Mitgliedsvereine unabhängig von der Beherrschung der sorbischen Sprache sichergestellt ist.

Medienvertreter und Gäste werden um kurze Vorabanmeldung an marcel.brauman(at)domowina.de gebeten. Aufgrund der bekannten gegenwärtigen allgemeinen Lage für Veranstaltungen bedarf es einer gewissen Planung bei der Platzierung.

Der Domowina-Regionalverband „Handrij Zejler“ Hoyerswerda/Wojerecy umfasst das Territorium des ehemaligen Kreises Hoyerswerda/Wojerecy. Ihm gehören in Mitgliedsvereinen, Domowina-Ortsgruppen und als Einzelmitglieder rund 700 Menschen an.  

Bild: Gabi Linack, Sorbenbeauftragte der Stadt Hoyerswerda, hört bei der Feier 100 Jahre Gründung der Domowina-Regionalverbände im Lichthof des Rathauses dem Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh zu (im Ratskeller war 1921 die Gründungsversammlung; auch der sorbische Dachverband selbst wurde in Hoyerswerda gegründet, bereits 1912, auf der anderen Seite des Marktplatzes im Haus der heutigen „Kulturfabrik“, Kufa). Foto: Domowina/Marcel Braumann

Beim Italiener in Hoywoy sorbisch über Spanien sprechen

„Nach vier gut besuchten Sorbisch-Kursen in der Stadtverwaltung wollen wir ein bisschen weg vom Unterrichtsgefühl. Wir wollen mit der sorbischen Sprache nach draußen gehen, die Hoyerswerdaer und unsere Gäste sollen spüren, dass die Sprache lebt.“ Sagt Gabriela Linack, Beauftragte für sorbische Angelegenheiten der Stadt – und Mitglied im Regionalvorstand des sorbischen Dachverbandes Domowina.

„Zudem wollen wir auch all jenen, die anderenorts an Sorbisch-Kursen teilgenommen haben, eine Möglichkeit bzw. einen Sprachraum geben, das sorbisch Erlernte aktiv anzuwenden. Dieses Ziel hatte ich mir als Beauftragte für sorbische Angelegenheiten der Stadt Hoyerswerda für die Weiterführung der Pflege der sorbischen Sprache in Hoyerswerda gestellt und für den Mittwoch der vergangenen Woche zur 1. Sorbisch-Sprachwerkstatt ins Café Auszeit ins Bürgerzentrum eingeladen.

Gekommen waren sowohl Muttersprachler als auch Freunde der sorbischen Sprache. Zunächst hatten sich die neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ein Motto für diese und die zukünftigen Werkstätten geeinigt – es lautet ,Rěčna swětłownja Wojerec‘ und bedeutet in etwa ,Sprachleuchtturm Hoyerswerda‘. Doch es blieb nicht allein bei der Namenssuche, schließlich ging es um die lebendige sorbische Sprache. Und so musste jeder Gast Speisen und Getränke auf Sorbisch bestellen. Erfreulich: Frank Heinze vom KuFa-Café Auszeit verstand alle – jeder erhielt das Gewünschte.

Es wurde viel gelacht an diesem Abend – es wird schon bald eine Fortsetzung geben. Diese ist für den 23. Oktober um 18 Uhr im „Andulino“ (Ratskeller) geplant. Weitere Sorbisch-Interessierte sind ausdrücklich herzlich willkommen, an dieser Gesprächsrunde teilzunehmen. Ob die sorbische Sprache auch im italienischen Restaurant verstanden wird, wird man dann sehen. Auf alle Fälle wird es Interessantes zu berichten geben: Die Sorbische Volkstanzgruppe Zeißig gastiert in der kommenden Woche mit ihren Liedern und Tänzen in Calella in Spanien. Das ist gelebtes Europa: Sorben und Deutsche sprechen beim Italiener von Spanien. Gäste sind herzlich willkommen!“